CDP Fragebogen als Lieferant ausfüllen: Komplettanleitung 2026
Supply Comply Redaktion
Fachredaktion

Ihr Großkunde hat Sie aufgefordert, bis Juli den CDP Climate Change Fragebogen auszufüllen. Das Kürzel CDP ist Ihnen vielleicht schon begegnet - aber was genau dahintersteckt, welche Daten Sie benötigen und wie der Prozess konkret abläuft, steht auf einem anderen Blatt. Diese Anleitung führt Sie durch jeden Schritt, von der Registrierung auf cdp.net bis zur endgültigen Einreichung.
Wichtigste Punkte auf einen Blick
- CDP ist eine gemeinnützige Organisation, die jährlich Klimadaten von über 24.000 Unternehmen weltweit erhebt - Ihr Großkunde leitet die Anfrage über das CDP Supply Chain Programm an Sie weiter.
- Der Fragebogen gliedert sich in acht Module (C1 bis C8); für die meisten mittelständischen Zulieferer sind Emissionsdaten (C6) und Energieverbrauch (C7) der aufwändigste Teil.
- Typische Antwortfrist: Juli 2026 - bei Versand im März/April bleibt Ihnen rund drei Monate Bearbeitungszeit.
- Die Kernzutat ist Ihre Energiebuchhaltung: Stromrechnungen, Gasrechnungen und Fuhrparkdaten für das Jahr 2025 liefern den Großteil der benötigten Zahlen.
- Im ersten Jahr ist ein D-Score realistisch und akzeptabel - Ihr Großkunde kennt den Kontext und bewertet Ihre Antwort entsprechend.
Was ist CDP und warum fragt Ihr Kunde danach?
CDP (früher Carbon Disclosure Project) ist eine gemeinnützige Organisation mit Büros in London, Berlin und weiteren Städten, die seit 2002 systematisch Klimadaten von Unternehmen erhebt. Das Besondere am CDP Supply Chain Programm: Ihr Großkunde - der sogenannte "Requesting Member" - ist selbst bei CDP registriert und lädt gezielt seine wichtigsten Lieferanten ein, Klimadaten offenzulegen. Die Einladung kommt als E-Mail direkt von CDP, im Auftrag Ihres Kunden.
Warum macht Ihr Kunde das? Häufig steckt regulatorischer Druck dahinter. Unternehmen, die unter die EU-Richtlinie CSRD fallen, müssen zunehmend auch Scope-3-Emissionen berichten - also indirekte Emissionen aus ihrer Lieferkette. Sie als Zulieferer liefern einen Teil dieser Zahlen. Daneben gibt es Investorenpflichten, freiwillige Klimaziele und branchenspezifische Anforderungen, die Großunternehmen dazu bringen, ihre Zulieferer in die Klimadatenerhebung einzubeziehen.
Wenn Sie grundsätzlich noch neu beim Thema Nachhaltigkeitsfragebögen sind, lohnt sich zunächst ein Blick in unseren allgemeinen Leitfaden zum Ausfüllen von Nachhaltigkeitsfragebögen - dort sind die wichtigsten Grundbegriffe wie Scope 1, 2 und 3 praxisnah erklärt.
Welche Module enthält der CDP Climate Change Fragebogen?
Der Fragebogen ist in acht inhaltliche Module unterteilt. Nicht jedes Modul verursacht denselben Aufwand - die folgende Übersicht zeigt Ihnen, was Sie wo erwartet:
| Modul | Thema | Typische Inhalte | Aufwand für KMU |
|---|---|---|---|
| C1 | Governance | Wer ist intern für Klimathemen zuständig? Gibt es Vorstandsverantwortung? | Gering |
| C2 | Risiken und Chancen | Physische und regulatorische Klimarisiken für Ihr Geschäftsmodell | Mittel |
| C3 | Geschäftsstrategie | Wie fließen Klimaaspekte in Ihre Unternehmensstrategie ein? | Gering bis mittel |
| C4 | Ziele und Leistung | Haben Sie Klimaziele definiert? Wie ist der aktuelle Stand? | Mittel |
| C5 | Emissionsmethodik | Welche Berechnungsmethoden und Datenquellen nutzen Sie? | Mittel |
| C6 | Emissionsdaten | Scope 1 und Scope 2 Emissionen in Tonnen CO2e | Hoch |
| C7 | Energieverbrauch | Gesamtenergieverbrauch, aufgeschlüsselt nach Energieträgern und Anteil Erneuerbarer | Hoch |
| C8 | Scope 3 Emissionen | Indirekte Emissionen vor- und nachgelagert in der Lieferkette | Sehr hoch |
Hinweis zu ISSB/IFRS S2: Seit 2024 orientiert sich der CDP-Fragebogen an den internationalen ISSB-Standards (IFRS S2). Das bedeutet etwas mehr Gewicht auf klimabezogenen Finanzrisiken in C2 und C3. Für die operativen Emissionsdaten in C6 und C7 ändert sich für die meisten Mittelständler in der Praxis wenig.
Welche Daten brauchen Sie konkret?
Das ist die Frage, die am meisten Zeit kostet - nicht das Ausfüllen selbst, sondern das Zusammensuchen der richtigen Zahlen. Hier eine Übersicht der wichtigsten Datenpunkte und wo Sie diese finden:
| Datenpunkt | Was genau gebraucht wird | Wo Sie es finden |
|---|---|---|
| Scope 1 Emissionen | Direkte Emissionen aus Heizung, Fuhrpark, Produktionsprozessen in t CO2e | Gasrechnungen, Heizöllieferungen, Fahrtenbücher |
| Scope 2 (location-based) | Emissionen aus eingekauftem Strom anhand des nationalen Strommix | Stromrechnungen in kWh × Emissionsfaktor Umweltbundesamt |
| Scope 2 (market-based) | Emissionen aus eingekauftem Strom anhand Ihres Vertrags | Herkunftsnachweise Ihres Versorgers oder Residualmix |
| Energieverbrauch gesamt | MWh Strom + MWh Gas + sonstige Energieträger, aufgeschlüsselt | Jahresrechnungen aller Energieversorger |
| Anteil Erneuerbare Energien | Prozentualer Anteil am Gesamtenergieverbrauch | Grünstromzertifikate, Herkunftsnachweise |
| Berichtsjahr | Letztes abgeschlossenes Geschäftsjahr | Typischerweise Kalenderjahr 2025 |
Für die Umrechnung von Energiemengen in CO2-Äquivalente empfiehlt CDP den GHG Protocol Calculation Tools - das weltweite Standardwerk für Treibhausgasbilanzen. Aktuelle deutsche Emissionsfaktoren für Strom und Wärme stellt das Umweltbundesamt kostenlos bereit.
Zu Scope 3 (Modul C8): Als Lieferant werden Sie häufig gebeten, zumindest einige Scope-3-Kategorien anzugeben. Das ist aufwändig und oft mit Schätzwerten verbunden. CDP akzeptiert Angaben zur verwendeten Berechnungsmethode und zu Datenlücken - Transparenz über fehlende Daten ist besser als unrealistische Zahlen.

Schritt für Schritt: So füllen Sie den Fragebogen aus
1. Einladung annehmen und Profil anlegen (Woche 1)
Sie erhalten eine E-Mail von CDP mit dem Betreff "CDP Supply Chain - [Name Ihres Kunden] has requested your data." Folgen Sie dem Link und registrieren Sie sich auf cdp.net. Legen Sie Ihr Organisationsprofil an: Branche, Mitarbeiterzahl, Umsatz, Hauptstandort. CDP passt den Fragebogen anhand dieser Angaben leicht an Ihr Profil an.
2. Fragebogen sichten, bevor Sie anfangen (Woche 1-2)
Öffnen Sie alle Module und lesen Sie die Fragen durch, ohne sofort zu antworten. Notieren Sie, welche Daten Sie bereits haben und wo Lücken sind. Erstellen Sie intern eine kurze Aufgabenliste: Wer hat Zugriff auf Energierechnungen? Wer kennt den Fuhrpark? Wer weiß, ob das Unternehmen Klimaziele formuliert hat?
3. Emissionsdaten berechnen (Woche 2-3)
Sammeln Sie alle Energierechnungen für 2025. Rechnen Sie kWh-Werte in CO2e um. Für Erdgas gilt als Richtwert ca. 0,202 kg CO2e/kWh. Für Strom empfehlen wir, den aktuellen deutschen Emissionsfaktor beim Umweltbundesamt zu prüfen - dieser ändert sich jährlich mit dem Energiemix. Beide Scope-2-Methoden (location-based und market-based) müssen separat angegeben werden.
4. Governance- und Strategiefragen ausfüllen (Woche 3)
Die Module C1 bis C4 sind textlastiger, aber schneller zu beantworten als die Emissionsmodule. Seien Sie konkret und ehrlich: "Die Geschäftsführung trägt direkte Verantwortung für Klimathemen" ist eine vollständige und akzeptable Antwort, wenn es der Wahrheit entspricht. CDP honoriert Substanz, nicht Schönfärberei.
5. Prüfen und einreichen (Woche 4)
CDP erlaubt Bearbeitungen bis zur Deadline. Nutzen Sie die Vorschaufunktion und prüfen Sie vor allem die Konsistenz: Passen die Emissionszahlen in C6 zu den Energiemengen in C7? Stimmt das Berichtsjahr überall überein? Erst dann absenden.
Praxisbeispiel
Ein Automobilzulieferer aus dem Raum Ansbach mit 68 Mitarbeitern erhielt im März 2025 erstmals eine CDP-Einladung - ausgelöst durch einen Tier-1-Kunden, der selbst neue Scope-3-Berichtspflichten erfüllen musste. Zuständig war die Qualitätsmanagerin, die mit CDP bis dahin keinen Kontakt gehabt hatte.
Das Hauptproblem: Alle Energierechnungen lagen vor, aber niemand hatte diese je in eine Treibhausgasbilanz umgerechnet. Die Begriffe Scope 1 und Scope 2 waren neu. Zwei Arbeitstage gingen allein dafür drauf, die Emissionsdaten für das GHG-Protocol-Tool aufzubereiten und die Unterschiede zwischen den beiden Scope-2-Methoden zu verstehen.
Die Module C1 bis C4 erledigte die Qualitätsmanagerin anschließend in einem halben Tag. Scope 3 blieb im ersten Jahr mit einem Kommentar zu den fehlenden Daten offen. Ergebnis: D-Score (Disclosure) - für ein Erstjahr absolut üblich, vom Kunden entsprechend eingeordnet und akzeptiert. Im zweiten Durchgang soll mit einer sauberen Datenbasis und einem ersten Klimaziel ein B-Score erreicht werden.
Wie bewertet CDP Ihre Antworten?
CDP bewertet auf einer Skala von D- bis A. Die Logik ist aufsteigend: Wer überhaupt antwortet, erhält mindestens ein D. Vollständige Emissionsdaten und nachvollziehbare Methodik bringen ein C. Aktive Klimamaßnahmen und definierte Ziele führen zu einem B. Leadership-Aktivitäten wie externe Verifikation oder Science-Based Targets sind der Weg zu einem A.
| Score | Bewertungsstufe | Was CDP dafür voraussetzt |
|---|---|---|
| A / A- | Leadership | Externe Verifikation, Science-Based Targets, umfassende Scope-3-Daten |
| B / B- | Management | Klimaziele, aktives Risikomanagement, dokumentierte Maßnahmen |
| C / C- | Awareness | Vollständige Emissionsdaten, Risiken identifiziert und beschrieben |
| D / D- | Disclosure | Antwort eingereicht, grundlegende Zahlen vorhanden |
| F | Non-disclosure | Keine Antwort eingereicht |
Ihr Großkunde sieht Ihren Score und den Score aller seiner Lieferanten. Er kennt dabei den Kontext - ein erstes D mit vollständigen Emissionsdaten und ehrlichen Kommentaren zu Datenlücken ist deutlich besser als ein nicht ausgefüllter Fragebogen und in den meisten Fällen auch besser als ein C mit fragwürdigen Zahlen.
Welche Fehler passieren beim CDP Fragebogen am häufigsten?
| Fehler | Warum er passiert | Besser machen |
|---|---|---|
| Inkonsistente Zahlen zwischen C6 und C7 | Zwei Personen füllen verschiedene Module aus | Am Ende alle Zahlen gemeinsam gegenprüfen |
| Scope 1 und Scope 2 verwechseln | Begriffe sind neu | Scope 1 = eigene Verbrennung, Scope 2 = eingekaufter Strom und Wärme |
| Nur location-based Scope 2 angeben | Market-based klingt kompliziert | Beide Methoden sind Pflicht - CDP verlangt beide Werte |
| Falsches Berichtsjahr | Unklarheit, welches Jahr gemeint ist | CDP fragt nach dem letzten abgeschlossenen Geschäftsjahr - für 2026 also 2025 |
| Fragebogen zwei Wochen vor Deadline beginnen | CDP-Einladung zunächst ignoriert | Spätestens vier Wochen vor Deadline starten, Energie- und Fuhrparkdaten zuerst besorgen |
Wenn Sie neben CDP auch andere Fragebögen beantworten - etwa EcoVadis oder den Drive Sustainability SAQ - lohnt sich eine zentrale Datenbasis erheblich. Emissionsdaten, Energieverbrauch, Mitarbeiterzahlen: Diese Informationen werden in fast jedem Format abgefragt. Wie Sie mehrere Fragebögen ohne Doppelarbeit und mit konsistenten Zahlen managen, erklären wir ausführlich in unserem Artikel über effizientes Beantworten mehrerer Nachhaltigkeitsfragebögen.
Ihr nächster konkreter Schritt: Öffnen Sie die CDP-Einladungs-E-Mail, registrieren Sie sich auf cdp.net und laden Sie gleichzeitig alle Energierechnungen des Jahres 2025 aus Ihrem Postfach. Das ist der einzige Startpunkt, den Sie wirklich brauchen - alles andere lässt sich von dort aus erschließen.


