Frameworks27. Februar 202610 Min. Lesezeit

EPD für Bauzulieferer: So erstellen Sie eine Umweltproduktdeklaration

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Supply Comply Redaktion

Fachredaktion

EPD für Bauzulieferer: So erstellen Sie eine Umweltproduktdeklaration

Sie stellen Baustoffe her und Ihr Kunde, ein Generalunternehmer oder Architekt, fragt nach einer EPD. Oder Sie haben gerade erfahren, dass Sie ohne EPD aus einer Ausschreibung herausfallen. Was jetzt?

Eine Umweltproduktdeklaration (EPD) ist kein kompliziertes Konzept, aber der Prozess ist zeitaufwändig und kostet Geld. Dieser Artikel erklärt, was eine EPD ist, warum Sie sie brauchen, wie der Prozess abläuft und was Sie konkret tun müssen, um eine zu bekommen.

Was ist eine EPD?

EPD steht für Environmental Product Declaration, auf Deutsch Umweltproduktdeklaration. Es ist ein standardisiertes Dokument, das die Umweltauswirkungen eines Produkts oder eines Baumaterials quantitativ darstellt. Grundlage ist eine Lebenszyklusanalyse (Life Cycle Assessment, LCA), die alle Umweltauswirkungen von der Rohstoffgewinnung über die Herstellung bis zur Nutzung und dem Lebensende des Produkts erfasst.

EPDs sind keine Zertifikate und keine Gütezeichen. Sie bewerten nicht, ob ein Produkt "gut" oder "schlecht" ist. Sie deklarieren transparent, was ist. Zwei Produkte derselben Kategorie haben jeweils ihre eigene EPD, und Planer können sie miteinander vergleichen.

Welche Normen gelten?

Für Bauprodukte sind folgende Normen maßgeblich:

  • ISO 14025: Grundnorm für Type-III-Umweltdeklarationen (das ist das EPD-Format)

  • ISO 14044: Regeln für die Lebenszyklusanalyse

  • DIN EN 15804: Produktkategorieregeln speziell für Bauprodukte und Bauleistungen, europäisch harmonisiert

  • EN 15804+A2: Die aktuelle Version der Norm (seit 2022 Pflicht für neue EPDs beim IBU)

Wenn jemand in einer Ausschreibung nach einer "EPD nach DIN EN 15804" fragt, meint er genau dieses Normenpaket.

Warum brauchen Bauzulieferer eine EPD?

Gebäudezertifizierungen verlangen EPDs

Wenn ein Gebäude nach DGNB oder BNB zertifiziert werden soll, fließen die Umweltauswirkungen der verbauten Materialien in die Ökobilanz des Gebäudes ein. Für diese Berechnung brauchen die Planer produktspezifische Daten aus EPDs. Ohne EPD Ihres Produkts nutzen Planer entweder generische Datenbank-Werte (die oft schlechter sind als Ihr tatsächlicher Wert) oder sie nehmen ein anderes Produkt mit EPD.

Öffentliche Ausschreibungen

Das Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen (BNB) des Bundes wird bei Bundesbauten verpflichtend angewendet. Viele Länder und Kommunen haben ähnliche Systeme. Für Produkte, die in solchen Projekten eingesetzt werden sollen, sind EPDs zunehmend eine Mindestanforderung.

Kundenanforderungen von Baukonzernen

STRABAG, Hochtief, Goldbeck und andere Konzerne bauen ihre Nachhaltigkeitsstrategie aus. Sie verpflichten sich intern gegenüber Investoren und Kunden zu reduzierten CO2-Emissionen in ihren Projekten. Dafür brauchen sie von Ihnen verifizierte Produktdaten. Eine EPD ist der anerkannte Weg, diese Daten bereitzustellen.

Zukunftssicherheit durch die CPR-Revision

Die Überarbeitung der europäischen Bauproduktenverordnung (CPR) sieht vor, dass Nachhaltigkeitsleistungen künftig als Teil der CE-Kennzeichnung deklariert werden müssen. EPDs oder ähnliche Instrumente werden perspektivisch Pflicht für viele Produktgruppen. Wer jetzt anfängt, kommt in eine komfortable Position.

Was steht in einer EPD?

Eine EPD nach DIN EN 15804 enthält eine Reihe von Umweltkennwerten, aufgeteilt nach Lebenszyklusphasen:

Lebenszyklusphasen (Module)

  • A1-A3 (Herstellungsphase): Rohstoffgewinnung, Transport, Produktion. Das ist das Minimum, das eine EPD abdecken muss.

  • A4-A5 (Errichtungsphase): Transport zur Baustelle, Einbau

  • B1-B7 (Nutzungsphase): Nutzung, Wartung, Reparatur, Austausch, Energieverbrauch in der Nutzung

  • C1-C4 (Entsorgungsphase): Rückbau, Transport, Abfallbehandlung, Deponierung

  • D (Jenseits der Systemgrenze): Wiederverwendungs- und Recyclingpotenziale

Umweltkennwerte (Auswahl)

  • GWP (Global Warming Potential): CO2-Fußabdruck in kg CO2-Äquivalent

  • ODP (Ozone Depletion Potential): Ozonabbaupotenzial

  • AP (Acidification Potential): Versauerungspotenzial

  • EP (Eutrophication Potential): Eutrophierungspotenzial

  • POCP (Photochemical Ozone Creation Potential): Sommersmog-Potenzial

  • PE (Primary Energy): Primärenergiebedarf, erneuerbar und nicht erneuerbar

Für die meisten Kunden und Planer ist das GWP, also der CO2-Fußabdruck, die relevanteste Kennzahl.

Wie läuft der EPD-Prozess ab?

Schritt 1: Programmoperator wählen

EPDs werden von sogenannten Programmoperatoren herausgegeben und verifiziert. In Deutschland ist das hauptsächlich das IBU (Institut Bauen und Umwelt e.V.) in Berlin. International gibt es weitere Programmoperatoren wie Environdec (Schweden) oder INIES (Frankreich). Für den deutschen Markt empfiehlt sich das IBU.

Schritt 2: Produktkategorieregel (PCR) prüfen

Für jede Produktkategorie gibt es eine sogenannte Product Category Rule (PCR), die festlegt, wie die LCA durchgeführt werden muss. Das IBU hat PCRs für Hunderte von Produktgruppen: Beton, Ziegel, Dämmstoffe, Fenster, Türen, Farben, Bodenbeläge, Stahl und vieles mehr. Wenn es für Ihr Produkt bereits eine PCR gibt, vereinfacht das den Prozess erheblich.

Schritt 3: LCA-Daten zusammenstellen

Das ist der aufwändigste Teil. Sie brauchen für jede Produktionsstufe Mengendaten: Welche Rohstoffe, in welcher Menge? Wie viel Energie, aufgeteilt nach Energieträgern? Wie viel Wasser? Welche Emissionen direkt aus dem Produktionsprozess? Idealerweise liegen diese Daten aus Ihrer Produktion bereits vor, zum Beispiel aus einem Umweltmanagementsystem nach ISO 14001.

Schritt 4: LCA durch akkreditiertes Büro berechnen

Die eigentliche Lebenszyklusanalyse muss von einem Fachbüro mit LCA-Software durchgeführt werden (typischerweise SimaPro oder openLCA mit Ecoinvent-Datenbank). Sie können das nicht intern machen, es sei denn, Sie haben LCA-Fachkräfte im Haus. Kosten für das LCA-Büro: je nach Komplexität zwischen 5.000 und 20.000 Euro.

Schritt 5: EPD-Dokument erstellen und einreichen

Auf Basis der LCA-Ergebnisse wird das EPD-Dokument nach dem IBU-Format erstellt. Es enthält neben den Umweltkennwerten auch Angaben zum Produkt, zur Herstellung, zu Inhaltsstoffen und zu Nutzungshinweisen.

Schritt 6: Verifizierung durch unabhängige Prüfstelle

Bevor das IBU die EPD veröffentlicht, prüft eine unabhängige Prüfstelle die Daten und Berechnungen. Das dauert in der Regel 4 bis 8 Wochen und kostet zusätzlich (ca. 1.500 bis 4.000 Euro).

Schritt 7: Veröffentlichung

Nach erfolgreicher Verifizierung veröffentlicht das IBU die EPD in seiner öffentlichen Datenbank (ibu-epd.com). Die EPD ist 5 Jahre gültig und muss dann erneuert werden.

Was kostet eine EPD?

Eine realistische Kostenübersicht für eine Standard-EPD in Deutschland:

Kostenposition Typische Kosten
IBU-Mitgliedschaft (empfohlen) 500 - 2.000 EUR jährlich
LCA-Büro (Datenerhebung + Berechnung) 5.000 - 20.000 EUR
Verifizierung durch unabhängige Prüfstelle 1.500 - 4.000 EUR
IBU-Bearbeitungsgebühr 1.000 - 2.500 EUR
Interner Aufwand (Datenzusammenstellung) 3 - 10 Arbeitstage
Gesamt (erste EPD) 10.000 - 30.000 EUR

Das klingt viel. Aber bedenken Sie: Eine EPD ist 5 Jahre gültig, und sie öffnet Ausschreibungen, die Ihnen bisher verschlossen waren.

Welche Daten müssen Sie intern vorbereiten?

Die Qualität Ihrer EPD hängt direkt davon ab, wie gut Ihre internen Daten sind. Bereiten Sie folgende Informationen vor:

Datenbereich Benötigte Informationen
Rohstoffinputs Art und Menge aller Rohstoffe pro funktionelle Einheit (z.B. 1 m² oder 1 kg Produkt)
Energieverbrauch Strom (kWh), Gas, Heizöl, Prozesswärme, aufgeteilt nach Energieträgern
Wasserverbrauch Eingesetzte und abgeleitete Wassermenge
Abfall Produktionsabfälle, Ausschussmengen
Transportdaten Entfernungen und Transportmittel für Rohstoff- und Produkttransport
Verpackung Verpackungsmaterialien und -mengen

Wenn Sie bereits ein Umweltmanagementsystem nach ISO 14001 haben, sollten viele dieser Daten schon vorliegen. Falls nicht, ist die EPD-Vorbereitung ein guter Anlass, die Datenerfassung zu verbessern.

Häufige Fehler und wie Sie sie vermeiden

Zu spät anfangen

Der EPD-Prozess dauert insgesamt 12 bis 18 Monate. Wer erst anfängt, wenn die erste Ausschreibung verloren geht, hat bereits zu spät angefangen. Starten Sie jetzt, auch wenn der Druck noch nicht akut ist.

Schlechte Datenlage

Viele Unternehmen unterschätzen, wie viel Zeit das LCA-Büro für die Datenerhebung braucht, weil die internen Daten nicht systematisch erfasst sind. Bauen Sie jetzt eine gute Datenbasis auf. Das hilft nicht nur für die EPD, sondern auch für Nachhaltigkeitsfragebögen von Kunden.

Falschen Programmoperator wählen

Für den deutschen Markt ist das IBU die erste Wahl. Wenn Ihr Produkt auch international vermarktet wird, kann Environdec sinnvoll sein, weil Environdec-EPDs international breiter anerkannt werden. Fragen Sie Ihre wichtigsten Kunden, welches Format sie bevorzugen.

EPD nicht kommunizieren

Sobald Ihre EPD veröffentlicht ist, kommunizieren Sie sie aktiv. Verlinken Sie sie auf Ihrer Website, erwähnen Sie sie in Ausschreibungsunterlagen, schicken Sie sie proaktiv an Ihre wichtigsten Kunden. Eine EPD, die niemand kennt, bringt nichts.

Supply Comply und die EPD-Vorbereitung

Supply Comply hilft Ihnen, die Nachhaltigkeitsdaten, die Sie für eine EPD und für Kundenfragebögen brauchen, zentral zu erfassen und strukturiert vorzuhalten. Wenn Ihr Baukonzern-Kunde einen Fragebogen zu Produktumweltwerten schickt, müssen Sie die Daten nicht jedes Mal neu zusammensuchen. Parallel dazu unterstützt Sie eine gute Datenbasis beim EPD-Prozess. Wie Sie mehrere Kundenanfragen effizient bearbeiten, erklärt unser Artikel zur effizienten Bearbeitung von Nachhaltigkeitsfragebögen.

Außerdem sollten Sie die Gesamtübersicht der Nachhaltigkeitsanforderungen in der Baubranche kennen, um den EPD-Prozess in den richtigen Kontext einzuordnen.

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Daten einmal eingeben. Alle Fragebögen beantworten. Supply Comply spart Ihnen bei jedem Fragebogen Stunden an Arbeit.

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